AURIM: Hamburg Lockdown Tales no. 5

Die Geschichte von AURIM

Das Geburtsjahr von AURIM war1993. André Kröger hatte im Jahr 1992 seine Lehre als Goldschmied in Pforzheim abgeschlossen und kehrte nach Hamburg zurück. Er war bereits vor seiner Lehre nicht unerfahren und hatte von 1987 bis 1989 ein 2-jähriges Praktikum bei einem Schmuckdesigner in Hamburg absolviert. Doch nun hatte er sein Handwerk als Goldschmied noch einmal auf ein solides Fundament gestellt und war bereit für den nächsten Schritt in Hamburg.

„Hamburg Lockdown Tales“

Dieser Beitrag im Human Posture Blog ist Teil einer Serie über die Erfahrungen, Haltung und den Umgang Hamburger Unternehmer mit der Corona-Krise 2020/2021 und den langfristigen Auswirkungen auf ihr Geschäft. 

Wir bekommen für die Berichterstattung und das Setzen der im Beitrag vorhandenen Links zu Webseiten, Produkten und Dienstleistungen keine Gegenleistung. 

Iron Heart Germany: Lockdown Tales no. 1

Playground Coffee St. Pauli: Lockdown Tales no. 2

St. Pauli Textilreinigung: Lockdown Tales no. 3

Peace Out Yoga: Lockdown Tales no. 4

Vom Teil zum Ganzen

Es folge das erste Ladengeschäft in Hamburg in der Hegestraße, ein Gemeinschaftsprojekt, das zu Beginn aus einer Boutique für Interieur, Accessoires und Schmuck aus Asien und Afrika, einer Agentur für Ladenausbau sowie der ersten Inkarnation von AURIM bestand — damals noch zu zweit mit einem Geschäftspartner. Im Laufe der nächsten Jahre verließen die Mitstreiter nach und nach das Ladengeschäft und ungefähr 6 Jahre später folgte schließlich das Ausscheiden des bisherigen Geschäftspartners. AURIM war in diesem Moment in der Form manifestiert, die wir seitdem kennen: inhabergeführt von André Kröger.

Der Zeit in der Hegestraße folgte ein Umzug in die Klosterallee, nur ein paar Meter vom ehemaligen Ladengeschäft entfernt, in Hamburg-Eppendorf. Im Jahr 2019 wurde schließlich mit dem Umzug in die Atelierwerkstatt in der Fehlandstraße das aktuelle Kapitel aufgeschlagen. Ruhig gelegen im Winkel einer Seitenstraße im Herzen Hamburgs findet man hier seitdem AURIM, nur einen Steinwurf entfernt von der Binnenalster.

Die Bedeutung von „AURIM“

André und sein damaliger Geschäftspartner waren auf der Suche nach einem Namen, der die Inhalte der Schmuckideen wiedergibt: Erinnerungen an die Kindheit eines Jungen, Zauberer, Märchen, Freibeuter… Alles, was nicht in die reale Welt passt oder gehört. Ein alchimistischer Name, auch inspiriert vom AURYN, dem Schutzamulett und Zeichen der kindlichen Kaiserin aus der Unendlichen Geschichte von Michael Ende. Dies ist die Essenz von Andrés Schaffen, seine Herangehensweise: Er versucht eine Verbindung zwischen Fantasie und Realität zu schaffen, sie real werden zu lassen und buchstäblich in den Händen zu halten.

Eine Hommage an das Leben

Nach seiner eigenen Aussage spiegelt seine Arbeit den tief empfundenen Danke dafür wider, seinen Wünschen und Erinnerungen auf diese Art Ausdruck verleihen zu können und sie tatsächlich umzusetzen. Jedes Stück von AURIM muss eine Geschichte erzählen — sei es eine seiner eigenen oder eine von uns allen. Sie ist aber auch ein simpler Ausdruck der Freude am Schaffen, daran, etwas zu kreieren. Seine Kunden kommen mit Geschichten, Erinnerungen, Bildern und Fragmenten, die in Andrés Schaffen Gestalt annehmen sollen. Aus diesen intensiven Begegnungen zieht er immer wieder wichtige Inspirationen für kommende Kollektionen. Das bedingt einander — eine Hommage an das Leben.

Interview mit André Kröger von AURIM

Ich treffe André heute in seinem Werkstatt-, Atelier und Verkaufsraum. Es ist das erste Mal, dass ich André hier besuche, und wir setzen uns an den Holztisch, an den ich noch gut aus den Zeiten in der Klosterallee erinnere. Die fast schon versteckte Lage im Winkel in der Fehlandstraße hat etwas Geschütztes und vermittelt die Art von Ruhe, die einen tiefen kreativen Prozess zu unterstützen vermag.

HUMAN POSTURE: Warum gibt es AURIM noch?

André Kröger: Ich habe einen unheimlich verbindlichen und treuen Kundenstamm, zu dem ich gute und persönliche Beziehungen habe. Manchmal scheint es mir vergleichbar dem Bild, das man von einem Friseur hat, nur die Gespräche bei mir dauern in der Regel noch länger [lacht]. Vielleicht aber auch, weil ich etwas Spezielles erschaffe, und weil ich einfach Glück habe.

HUMAN POSTURE: Mit welcher Haltung begegnest Du den aktuellen Herausforderungen?

André Kröger: Aufmerksam, durchaus auch kritisch und flexibel. Ein Gefühl der Beklemmung, der Unwissenheit der Verantwortlichen war spürbar. Ich war abwartend, aufmerksam und beobachtete interessiert, was für fundamental unterschiedliche Meinungen sich Menschen bildeten.

HUMAN POSTURE: Welche Rolle spielt dabei Vertrauen?

André Kröger: Vertrauen ist für mich ein Basiselement. Ohne Vertrauen geht es gar nicht, es ist absolut lebensnotwendig. Das gilt sowohl für einen selbst als auch für die Gesellschaft — vollkommen unabhängig vom Lockdown.

HUMAN POSTURE: Hat der erneute Corona-Lockdown die zukünftige Ausrichtung von AURIM verändert?

André Kröger: Bislang nicht. Alle Veränderungen, die über die letzten eineinhalb Jahre stattgefunden haben, hatten nichts mit Corona zu tun. Vor Weihnachten war ich viel auf Instagram aktiv, aber niemand ist explizit deswegen zu AURIM gekommen. Ich glaube aber trotzdem, dass dadurch nicht sichtbare Dinge in Bewegung gekommen sind und nachwirken. Ich werde in Zukunft nicht täglich etwas posten, werde das aber auch nicht ignorieren.

HUMAN POSTURE: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Dich, und wie beeinflusst sie Dein Geschäft?

André Kröger: Der Gedanke an Nachhaltigkeit nimmt großen Anteil an meiner Arbeit. Als Goldschmied geht es vor allen Dingen um die Materialbeschaffung. Woher kommen Metalle und Steine? Wie und unter welchen Bedingungen wurden sie gewonnen? Ich stelle nach und nach um auf nachhaltige Rohstoffe, im Moment mische ich aber zum Beispiel noch herkömmliches Gold mit nachhaltigem Gold, was sich für mich bereits nach einem Beitrag und einer energetischen Aufwertung anfühlt.

Eine Ausnahme ist das Reiskorn: hier kommt aus Prinzip nur nachhaltiges Gold zum Einsatz. Kunden sind oft begeistert von der Idee, mit nachhaltigem Gold zu arbeiten. Das ändert sich dann aber verständlicherweise manchmal, wenn das Schmuckstück deswegen in der Kalkulation zum Beispiel plötzlich 1000 Euro mehr kostet. Ich versuche den Prozess daher mehr an mich zu nehmen und meine eigene Marge durch den Einsatz von nachhaltigem Gold zu reduzieren, um in solchen Situation trotzdem etwas zu verändern.

HUMAN POSTURE: Was sind die Menschen, Dinge, Einflüsse oder Routinen, die Dich im Moment am meisten unterstützen?

André Kröger: Das Vertrauen ins Leben! Das Leben war immer gut zu mir. Wenn es scheiße lief, war das immer mein Ding, gab es Anzeichen, die ich einfach nicht sehen wollte.

HUMAN POSTURE: Gab es eine Erfahrung, die Dich, im Zusammenhang mit Deinem Geschäft, während des Lockdowns besonders bewegt hat?

André Kröger: Die unterlassene Hilfeleistung für Italien und das Offensichtlich werden der Nicht-EU-Gemeinschaft und die Ego-Politik aller Länder. Es scheint unmöglich, Dinge gemeinsam anzugehen. Wahrscheinlich wäre es einfacher, wenn wir vom Mars bedroht würden.

Aber es war auch eine Zeit, in der Tendenzen spürbar waren, nachhaltig über das System nachzudenken, damit wir uns nicht zunehmend selbst abschaffen. Man spürt, dass die Gedanken in Bewegung sind. Es ist eine Chance für uns Menschen, daraus etwas zu machen, aktiv zu bleiben und nicht in einer Duldungsstarre zu verharren.

HUMAN POSTURE: Was kannst Du anderen Unternehmerinnen und Unternehmern mit auf den Weg geben, die sich gerade selbst neu erfinden müssen?

André Kröger: Du musst flexibel und in Bewegung bleiben, dich sozial engagieren, körperlich und seelisch für dich sorgen, kommunizieren. Und du musst auch einfach mal zulassen, nichts zu tun — das Schwierigste von allem.


AURIM Ressourcenliste

AURIM auf Instagram @aurim_andrekroeger

AURIM Website https://www.aurim.de/

2 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Mareike Garms
Gast
Mareike Garms
29 Tage zuvor

Toller Bericht und schönes Interview. Wieder etwas Neues und dabei so etwas besonders entdeckt. Danke Kai!

Kai ist der Gründer von Human Posture und arbeitet als Coach, Trainer und Prozessbegleiter mit den Schwerpunkten Resilienz, Haltung und Medienkompetenz in Hamburg. Zusätzlich gibt er seit über 14 Jahren Kalaripayattu, kurz Kalari, in Klassen, Trainings und Workshops für Privatpersonen und Führungskräfte weiter. Human Posture ist für ihn die lebendige Synthese seines bisherigen Lebenswegs als ehemaliger Marketing- und PR-Director in Festanstellung einerseits, und freiberuflichem Kalari-Lehrer, Webdesigner, Zen-Practitioner und fünffachem Vater auf der anderen Seite.