Die 3 wichtigsten Kalari Tierstellungen und warum sie Dir besser durch den Corona-Lockdown helfen als Yoga

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von | 19. Jan 2021 | Kalari, Haltung, Yoga

Zugegeben, der Titel ist reißerisch. Aber da Du bis hier­hin gekom­men bist, scheint er gut gewählt, denn ich möchte Dir im Laufe dieses Beitrags die wichtig­sten Kalari Tier­stel­lun­gen als Teil eines wirk­lich holis­tis­chen Train­ings näher­brin­gen. Kalari (aus­ge­sprochen: »Kálari« mit ein­er Beto­nung des ersten Vokals) ist in vie­len Aspek­ten das Gegen­teil von Yoga, und doch ist es nicht nur eine gute Ergänzung zu Dein­er Yoga-Prax­is, son­dern hat das Zeug dazu, diese noch kraftvoller und tiefer zu machen. Wie? Dazu komme ich im Laufe des Beitrags. Kalari Tier­stel­lun­gen sind übri­gens auch etwas für Dich, wenn Du kein­er­lei Vor­erfahrung in Yoga, Kampfkun­st oder anderen holis­tis­chen Bewe­gungs­for­men, hast. 

Checkliste: Die 3 wichtigsten Kalari Tierstellungen und ihre archetypischen Prinzipien auf einen Blick

1. Pfer­destel­lung (Ash­va Vadi­vu) – Vor­wärt­srich­tung, Inten­tion, Länge

2. Ele­fan­ten­stel­lung (Gaja Vadi­vu) – Erdung, Kraft, Stand­haftigkeit

3. Katze (Mar­jara Vadi­vu) – Gle­ich­mut, Geschmei­digkeit, Erhaben­heit

Kalar­i­pay­at­tu, bess­er bekan­nt als Kalari, etabliert sich momen­tan zunehmend als kom­mende Prax­is der Wahl für Führungskräfte, Coach­es, Train­er, Sportler, Tänz­er, Yogis und generell alle Men­schen, die nach ein­er wirk­lich holis­tis­chen Prax­is suchen, die sie bei der Meis­terung ihrer Auf­gaben in All­t­ag, Beruf und Fam­i­lie unter­stützt. Aber warum ist das so? Sind wir nicht mit­tler­weile mit unser­er bewährten Acht­samkeit­saus­rüs­tung aus Yoga und eventuell sog­ar Med­i­ta­tion bestens für unseren All­t­ag und die aktuelle Coro­na-Krise gerüstet? Ja und nein. 

Die physische und psychische Herausforderung des Corona-Lockdowns

Wenn wir während der Zeit des Coro­na-Lock­downs nicht in Kör­per­fett und schlechter Laune versinken möcht­en, es ist schon fast unsere Pflicht, uns weit­erzuen­twick­eln, zu lesen, zu ler­nen, Neues auszupro­bieren uuu­u­und uns zu bewe­gen. Dies sollte am besten auf holis­tis­che Art und Weise geschehen, also mit­tels ein­er Prax­is, die neben dem physis­chen Kör­p­er auch unsere Psy­che stärkt, in Bal­ance hält und uns langfristig resilien­ter macht. 

Ger­ade, wenn wir bere­its Yoga Erfahrung haben, bietet sich dafür natür­lich die yogis­che Asana Prax­is an. Eine große Stärke dieser holis­tis­chen Prax­is ist schließlich, dass man sie während des Coro­na-Lock­downs gewis­ser­maßen über­all zu Hause prak­tizieren kann, ohne mehr Aus­rüs­tung als die eigene Yoga­mat­te zu benöti­gen. Nicht ein­mal beson­dere Klei­dung brauchen wir, denn im Zweifel wer­den wir ohne Pub­likum auskom­men müssen. Daher kön­nen wir sog­ar unsere heiß geliebten Yoga Hosen mit Ein­horn Print im Schrank lassen. Schade eigentlich.

Kalahari? Kalarimero? Was ist denn Kalari eigentlich?

Kalari ist eine holis­tis­che und eng mit dem Yoga ver­wandte und trotz­dem gle­ichzeit­ig davon sehr ver­schiedene Prax­is. Als die ursprüngliche Kampf- und Heilkun­st Südin­di­ens hat sich Kalari ver­mut­lich vor mehreren tausend Jahren am Schnittpunkt der indi­ge­nen dra­vidis­chen Kul­tur Südin­di­ens mit der vedis­chen Kul­tur entwick­elt. Die Entwick­lung ver­lief dabei par­al­lel zu der von Yoga und Ayurve­da. Kalari hat die Entwick­lung dieser Diszi­plinen eben­so bee­in­flusst, wie es von ihnen bee­in­flusst wurde. Nicht zulet­zt deswe­gen wird Kalari auch manch­mal als das Tantra Yoga der Kampfkün­ste beze­ich­net.  

Pop­ulär ist im Zusam­men­hang mit der Geschichte des Kalar­i­pay­at­tu die Leg­ende von Bod­hid­har­ma, dem späteren ersten Patri­archen des Zen-Bud­dhis­mus, der als Prinz aus dem Gebi­et des heuti­gen Ker­ala in Südin­di­en nach Nor­den auf­brach, um die Lehre des Bud­dhis­mus zu ver­bre­it­en. Ein aus der Sicht der Kampfkun­st nicht unwichtiges Gepäck­stück war dabei ange­blich auch die unver­fälschte Lehre des Kalar­i­pay­at­tu, die später unter anderem die Entwick­lung des Shaolin Kung-Fu und ander­er alter Kampfkün­ste maßge­blich mit­geprägt haben soll. 

Yoga als Antwort auf die Herausforderungen des aktuellen Corona-Lockdowns

Yoga ist häu­fig die Antwort, wenn es um ganzheitliche Kör­p­er-Geist-Gesund­heit und Stress­ab­bau geht. Aber wie wirkungsvoll und sin­nvoll ist Yoga angesichts beru­flich­er Kon­flik­t­si­t­u­a­tion oder des All­t­ags in der aktuellen Coro­na-Krise? Ist es wichtig, dass es sin­nvoll ist? Wohl nicht, aber das hängt natür­lich stark von der ganz per­sön­lichen Def­i­n­i­tion von ‘Sinn’ ab und sprengt hier den Rah­men dieses Beitrags. 

Was bleibt, ist die Frage, wie wirkungsvoll Yoga in Bezug auf Stres­sauf­bau und Steigerung der per­sön­lichen Resilienz im Kon­text von All­t­ag und Coro­na-Krise ist. Dies ist ins­beson­dere unter dem Hin­ter­grund ange­bracht, dass wir im Zusam­men­hang mit Stress­ab­bau und Resilienz immer wieder auf Yoga als wirkungsvolles Mit­tel hingewiesen wer­den. Wenn es also gerecht­fer­tigt sein soll, Yoga als Prax­is der Wahl für diesen Zweck her­anzuziehen und entsprechend zu ver­mark­ten, dann müssen wir uns der Frage, ob Yoga dafür wirk­lich geeignet oder, genau gesagt, bes­timmt ist.

Zweck und Ausrichtung der Yoga Praxis

Die Art von Resilienz, die wir in klas­sis­chen Hatha-Yoga-Stilen kul­tivieren, die dem acht­gliedri­gen Pfades nach Patan­jali fol­gen (z.B. Ash­tan­ga Vinyasa Yoga und seine Derivate, wie Vinyasa Yoga), basiert haupt­säch­lich auf dem Konzept von Vairā­gya, was oft als Ver­haf­tungslosigkeit, Wun­schlosigkeit oder Lei­den­schaft­slosigkeit über­set­zt wird. Ich spreche in dem Zusam­men­hang gern von Gle­ich­mut. Auch geht es im klas­sis­chen Hatha-Yoga um Pratyāhāra, das Zurückziehen der Sinne von ihren Objek­ten. Zulet­zt sei das dem Yoga zugrunde liegende Dhar­ma genan­nt, also grob gesagt die der Prax­is zugrunde liegende ‘Pflicht’, die aber auch auf natür­liche Art und Weise mit der Über­legung verzah­nt ist, welchem Zweck die Prax­is dient. 

Bezüglich der Aus­gestal­tung dieses Zweck­es bin ich ein großer Fan ein­er Empfehlung, die man in Kapi­tel 5 (V.185) der Shi­va Samhi­ta find­et und die darauf hin­weist, dass man Yoga am besten im Geheimen, frei von der Gesellschaft ander­er Men­schen, an einem abgeschiede­nen Ort prak­tiziert wer­den sollte. Hier geht es wed­er um Gemein­schaft im aktiv­en Sinne, noch geht es um irgen­deine Form von äußerem Dia­log, Aus­tausch oder Dynamik. Es geht, ganz unmit­tel­bar, um die per­sön­liche Reise nach Innen ohne willkür­liche Inter­ak­tion mit Außen­welt. 

Kalari als modernes Werkzeug für holistisches Training und Resilienz während des Corona-Lockdowns

Kalar­i­pay­at­tu wurde ent­ge­gen der gele­gentlichen Bemühun­gen, es als rein hin­duis­tis­che Kun­st zu inter­pretieren, seit jeher von der gesamten Bevölkerung betrieben. Dabei wurde kein Unter­schied auf Grund­lage von Kaste, Reli­gion oder Geschlecht gemacht. Alle Kinder zwis­chen 6 und 8 Jahren wurde zu Beginn der Mon­sun-Sai­son in die Prax­is ini­ti­iert und prak­tizierten Kalari tra­di­tionell min­destens bis zum 18. Leben­s­jahr. Der Meis­ter wird Gurukkal genan­nt, was im Südindis­chen der Plur­al von »Guru« entspricht. Man huldigt im Kalari immer der Lin­ie als Ganzem, nicht ein­er einzel­nen Per­son. Es gab bud­dhis­tis­che, mus­lim­is­che und sog­ar christliche Gurukkal, Män­ner und Frauen. Was für eine gesunde Botschaft für die heutige Zeit. 

Kalari ist vor allen Din­gen eine Lebenss­chule, aber das darunter liegende Dhar­ma ist das eines Heil­ers und eines Kriegers. Diejeni­gen, die diesen Weg nach Vol­len­dung des 18. Leben­s­jahres weit­ergin­gen, über­nah­men in ihren Gemein­schaften ebendiese Auf­gaben. Sowohl für einen Krieger als auch für einen Heil­er ist die unmit­tel­bare Auseinan­der­set­zung mit der Außen­welt unab­d­ing­bar. Das gilt auch für ihre Fähigkeit, auf eine Sit­u­a­tion spon­tan, angemessen und klar zu reagieren – und zwar auch unter Stress. Daher ist es auch wichtig, seine Sinneswahrnehmung in der äußeren Welt max­i­mal zu entwick­eln und nicht, wie im Pratyāhāra, nach innen zu wen­den. 

Im Kalari Train­ing lerne ich, meine Sinne max­i­mal auszudehnen, alles wahrzunehmen und trotz­dem bei mir zu bleiben. Ich lerne, auch unter Stress angemessen zu reagieren und weit­er­hin selb­st­bes­timmt eine sta­tis­che oder dynamis­che Hal­tung einzunehmen oder zu verän­dern. Ich lerne, mir in der Inter­ak­tion mit anderen Raum zu nehmen aber auch zu geben. Ich finde die Ruhe in der vol­lkomme­nen Dynamik. Das sind einige der Aspek­te, die Kalari für mich zum per­fek­ten Begleit­er für All­t­ag, Fam­i­lie und Beruf in der aktuellen Coro­na-Krise machen. Dies sind auch die Gründe dafür, dass das Kalari Train­ing so zeit­los effek­tiv für Men­schen ist, die unter Stress angemessen reagieren, ja vielle­icht sog­ar führen und Entschei­dun­gen tre­f­fen müssen. 

Ist Yoga jetzt eigentlich doof, oder was soll das heißen?

Ganz und gar nicht. Aber oben wurde hof­fentlich deut­lich, warum man Yoga und Kalari manch­mal als zwei Seit­en der­sel­ben Medaille beze­ich­net: Sie sind in Bezug auf Zweck und Prinzip­i­en der Prax­is fun­da­men­tal ver­schieden und doch im Kon­text von Kul­tur und Energiesys­tem untrennbar miteinan­der ver­bun­den. Dort, wo Yoga nach innen geht, geht Kalari nach außen. Dort, wo Yoga am Platz arbeit­et, arbeit­et Kalari im Raum. Dort, wo wir im Yoga in Ein­heit mit uns selb­st und vielle­icht ja sog­ar dem großen Ganzen sind, treten wir im Kalari in bewusste und selb­st­bes­timmte Inter­ak­tion mit der Welt der Dinge und For­men, die uns umgibt.

Meine per­sön­liche Reise, die mich zu Yoga und schließlich vor über 15 Jahren zu Kalar­i­pay­at­tu führte, fing im Alter von 6 Jahren mit Judo an. Über Taek­won-Do, Ju-Jut­su und chi­ne­sis­ches Box­en fand ich zum Yoga, bis ich dann schließlich auf­grund ein­er Ver­let­zung, die ich mir mit zu viel Ehrgeiz beim Ash­tan­ga Vinyasa Yoga zuge­zo­gen hat­te, Kalar­i­pay­at­tu fand. Für mich war das wie ein Nach­hausekom­men, und obwohl ich gele­gentlich mal pausiert habe, zieht es mich immer zurück ins Kalari. 

Die Wiederentdeckung meiner eigenen Yoga-Praxis

Mein­er Yoga-Prax­is hat das keinen Abbruch getan. Ganz im Gegen­teil. Meine Kalar­i­pay­at­tu Prax­is hat sie eher dahin gerückt, wo sie mein­er Mei­n­ung nach hinge­hört. Und zwar sowohl in Bezug auf den ‘Zweck’, den ich damit ver­folge, als auch die Uhrzeit, zu der ich heutzu­tage Yoga prak­tiziere.

Ich übe Yoga mit­tler­weile haupt­säch­lich am Abend, wobei ich meine per­sön­liche Asana Prax­is als Vor­bere­itung für eine stille Med­i­ta­tion nutze. Meinen ‘sportlichen Kick’ hole ich mir inner­halb des holis­tis­chen Sys­tems im Kalari, dass dies­bezüglich extrem skalier­bar ist. So ver­mei­de ich auch, dass ich meine Yoga-Prax­is von ein­er Form der Mys­tik zu hin­duis­tis­ch­er Gym­nas­tik degradiere. 

Yoga und Kalari sind bei­des großar­tige holis­tis­che Train­ingskonzepte für Kör­p­er und Geist, von denen Du auf ver­schiedene Art und Weise während des Coro­na-Lock­downs prof­i­tieren kannst. Das gilt ins­beson­dere dann, wenn sowohl Kalari als auch Yoga sich ihrer Bes­tim­mung gemäß ent­fal­ten und Syn­ergien bilden kön­nen.

Die 3 wichtigsten Kalari Tierstellungen und ihre archetypischen Prinzipien

Die hier veröf­fentlicht­en Übung­sh­in­weise sind als Inspi­ra­tion zu ver­ste­hen und erset­zen in kein­er Weise das Kalari-Üben mit einem qual­i­fizierten Lehrer. Es geht um die schriftliche Ver­mit­tlung von Übung­sprinzip­i­en, die man aber let­z­tendlich erleben muss. Was ich damit meine? Stell Dir vor, Du hast noch nie Salz gegessen und jemand beschreibt Dir seinen Geschmack…als…salzig. Wenn Du Dich für einen Ein­stieg in das Kalari-Train­ing inter­essierst, empfehle ich Dir unsere Kalari-Online-Klassen, die Dir einen per­fek­ten Start in den Tag ermöglichen.

1. Pferdestellung (Ashva Vadivu)

Arche­typ­is­che Prinzip­i­en: Vor­wärt­srich­tung, Inten­tion, Länge

  • Wir begin­nen in Samana, das bedeutet, wir ste­hen aufrecht, die Füße sind geschlossen, und wir haben die gefal­teten Hände an der Stirn. Unsere Unter­arme und Ellen­bo­gen berühren sich. 
  • Lasse nun die Hände langsam bis vor die Brust sinken und ver­weile hier für einen Moment. Die Augen bleiben offen, der Blick nach vorn. 
  • Mache mit dem linken Bein einen Schritt nach vorn und strecke gle­ichzeit­ig mit dem Schritt Deine Hände aus dem Zen­trum her­aus nach vorn. Achte darauf, nicht Deine Zen­trierung zu ver­lieren und mit Hän­den und Schritt gle­ichzeit­ig vorn in der Streck­ung anzukom­men.
  • Der vordere Fuß zeigt nach vorn, die Hüfte ist einge­dreht. Auch Dein Bauchn­abel zeigt nach vorn. Die vordere Ferse ste­ht auf ein­er Lin­ie mit der hin­ten Ferse. 
Kai Hitzer von Human Posture in Ashva Vadivu, der Kalari Pferdestellung
Ash­va Vadi­vu, die Pfer­destel­lung des Kalari (Foto: Kai Hitzer aufgenom­men von Dal­las Gra­ham)
  • Aktiviere die Ober­schenkel­musku­latur des hin­teren gestreck­ten Beines und ver­suche so gut wie möglich die Fußaußenkante des hin­teren Fußes in Rich­tung Boden zu brin­gen. (PS: Falls das nicht funk­tion­iert, dann denke an die Szene aus Kill Bill, in der Uma Thur­man langsam ver­sucht mit der Kraft ihres Bewusst­seins den kleinen Zeh zu bewe­gen – und siehe da!)
  • Schul­tern weg von den Ohren, das Gesicht ist weich, die Augen sind offen. Exten­sion. Als ob Du zwis­chen Mit­telfin­ger und der Fußaußenkante des hin­teren Fußes auseinan­derge­zo­gen wirst. 
  • Bleibe hier mit offe­nen Augen für min­destens 6 volle Atemzüge. Atme nor­mal weit­er während der Übung. Kein Ujjayi, keine Band­has (yogis­che Atemtech­niken und ‘Ver­schlüsse’ aus der Ash­tan­ga Vinyasa Yoga Tra­di­tion)
  • Ziehe nun den vorderen Fuß zurück in die Aus­gangsstel­lung (Samana). Bleibe dabei in der Aus­rich­tung, lasse den hin­teren Fuß ste­hen, und drehe Dich nicht seitlich weg. (Anfänger: Nutze dafür, wenn nötig, mehrere Schritte, sodass Du die Aus­rich­tung und die Erdung im hin­teren Fuß beibehal­ten kannst. Fort­geschrit­tene: Zen­triere Dich und gehe mit einem Schritt zurück.)
  • Wieder­hole die Übung auf der recht­en Seite.

2. Elefantenstellung (Gaja Vadivu)

Arche­typ­is­che Prinzip­i­en: Erdung, Kraft, Stand­haftigkeit

  • Beginne in Samana mit den Armen an der Seite, die Fin­ger zeigen nach unten
  • Bringe nun das Gewicht auf die Fersen, und öffne die Füße so weit wie möglich. (Fort­geschrit­tene: Schaffst Du es, die Füße so weit zu öff­nen, dass sie Ferse an Ferse eine Lin­ie ergeben?)
  • Bringe nun das Gewicht auf die Zehen, und öffne die Fersen, bis Deine Füße par­al­lel (!) zueinan­der ste­hen. Kor­rigiere den Abstand gegebe­nen­falls, sodass Deine Schul­ter­außen­seit­en zwis­chen Deine Fußin­nen­seit­en passen.
  • Öffne die Hand­flächen nach außen (‘supinieren’), und bringe sie über dem Kopf mit einem Klatschen zusam­men.
  • Ziehe nun die ver­bun­de­nen Hände in Rich­tung Dein­er Stirn, und verbinde dabei die Knöchel Dein­er Hände. Lege den Oberkör­p­er dabei leicht zurück. 
  • Sobald Du an Dein­er Stirn angekom­men bist, berühre den Platz zwis­chen Deinen Augen­brauen mit den Spitzen Dein­er Dau­men, und beginne ent­lang der zen­tralen Lin­ie nach unten zu fahren. 
  • Behalte dabei die leichte Rück­beuge bei, folge aber mit Deinem Kopf und Deinem Blick den Dau­men­spitzen, sodass sich nur der Oberkör­p­er nach vorne neigt. Du siehst nun von der Seite aus wie ein »S«.
Kai Hitzer bei Korrekturen von Gaja Vadivu, der Elefantenstellung des Kalari.
Gaja Vadi­vu, die Ele­fan­ten­stel­lung des Kalari (Foto: Kai Hitzer aufgenom­men von Cecil­ia Cristolovean)
  • Sobald Du mit den Dau­men­spitzen kurz ober­halb des Bauchn­abels angekom­men bist, löst Du die Dau­men­spitzen, kippst die Hände mit den ver­bun­de­nen Fin­gerknöcheln nach vorn und tauchst mit dem Kopf voran den Hän­den hin­ter­her nach unten.
  • Tauche mit dem Oberkör­p­er wieder nach oben, sodass die Beine gebeugt bleiben, und sich der Oberkör­p­er wieder etwas aufrichtet. Platziere die Dau­men­spitzen zwis­chen den Augen­brauen. Fin­gerknöchel und Unter­arme sind geschlossen. 
  • Lasse die Füße par­al­lel, und öffne nun die Ober­schenkel so weit, dass sich die Knie senkrecht über den Fußge­lenken befind­en. 
  • Ver­suche, nun nur den oberen Rück­en noch ein Stück anzuheben, obwohl der Oberkör­p­er nach vorn geneigt bleibt. 
  • Augen offen, Schul­tern weg von den Ohren, Unter­arme geschlossen hal­ten, Füße par­al­lel. 
  • Ver­harre hier für min­destens sechs Atemzüge und komme anschließend nach oben, wobei Du die Arme während des Hochkom­mens über dem Kopf zusam­men­brin­gen und anschließend an die Seite leg­en kannst. 
  • Wieder­hole die Übung dreimal.

»Kalari bedeutet für mich Anmut, Kraft und Erdung in der authen­tis­chen Bal­ance von weib­lich­er und männlich­er Energie. Als Mut­ter von 5 Kindern sind die Gelassen­heit und innere Aus­geglichen­heit, die ich daraus schöpfe, eine frucht­bare Basis für mich.

In den Tier­stel­lun­gen liegen Har­monie und Offen­heit ver­bor­gen. Atemzüge, die den Schw­er­punkt mein­er Aufmerk­samkeit Rich­tung Beck­en sinken lassen. Ankom­men, ver­weilen. Erdung.

In Klarheit und Kör­per­be­wusst­sein lebt es sich friedlich­er.

PS: Meine Lieblings-Tier­stel­lung ist die Katze.«

Kami­la Ewa

Holis­tis­ches Men­tor­ing und Kör­per­ar­beit, kami­lae­wa

3. Katze (Marjara Vadivu)

Archtyp­is­che Prinzip­i­en: Gle­ich­mut, Geschmei­digkeit, Erhaben­heit

  • Hocke Dich aus dem nor­malen par­al­le­len Stand nach unten, wobei Du links mit dem ganzen Fuß auf dem Boden stehst, während das rechte Bein kom­plett angelegt ist und Du auf der recht­en Ferse sitzt (Fort­geschrit­tene: In der Tra­di­tion ist über­liefert, dass Du sog­ar ver­suchen kannst, mit Deinem Per­ineum auf der recht­en Ferse zu sitzen).
  • Der linke Arm ist kurz über dem Ellen­bo­gen auf dem linken Knie abgelegt, der rechte Han­drück­en ruht auf dem Ober­schenkel direkt über dem recht­en Knie.
  • Der Schw­er­punkt ist tief, die Augen bleiben offen, Gesicht weich, die Atmung nor­mal, der Bauch weich.
Mar­jara Vadi­vu, die Katzen­stel­lung des Kalari (Foto: Kai Hitzer aufgenom­men von Cecil­ia Cristolovean)
  • Ver­suche Dein Gewicht in der Katze so zu verteilen, dass Du nicht nur auf der recht­en Ferse sitzt, son­dern leite Dein Gewicht über die gesamte Struk­tur der Hal­tung ab. 
  • Der Blick ist leicht gesenkt, schaue auf einem Punkt am Endes des Raumes, dort wo der Boden die Wand des Raumes trifft. Schauen auf diesen Punkt, aber lasse Dein Gesichts­feld weit. Dehne Deine Sinne in die Außen­welt aus, aber bleibe gle­ichzeit­ig geerdet und ganz bei Dir. 
  • Bleibe hier so lange, wie es sich gut anfühlt, da Du Dich erst an diesen neuen Sitz gewöh­nen musst. 
  • Wenn Du so weit bist, komme aus der Stel­lung langsam nach oben (Fort­geschrit­tene: Komme möglichst ger­ade und direkt nach oben und unten)

Deine Ressourcen-Liste für Kalari

Kalari-Online-Klassen von Human Pos­ture find­en jeden Dien­stag und Donenrstag von 06.00 bis 06.45 Uhr auf ZOOM statt.

Kalari.org ist die Autorität im deutschsprachi­gen Raum, wenn es um Kalari geht und bietet detail­lierte Infor­ma­tio­nen rund um Kalar­i­pay­at­tu sowie ver­tiefende Kurse, z.B. das jährlich im Som­mer stat­tfind­ende Kalari-Prac­ti­tion­er-Train­ing. Die Seite wird zurzeit über­ar­beit­et.

Kalari Digest von Kalari.org ist eine YouTube-Playliste, auf der Du authen­tis­ches Kalar­i­pay­at­tu aus den 1950er-Jahren bis heute find­est.

Haltungsschmiede.de Coach­ing, Train­ing und Prozess­be­gleitung mit einem starken Fokus auf (Kalari-) Train­ings­for­mate für Führungskräfte.

»When the Body becomes All Eyes«* von Phillip Zarril­li, der lei­der im März dieses Jahres ver­stor­ben ist, war das erste Buch, das aus der Sicht eines ‘West­lers’ über Kalar­i­pay­at­tu in englis­ch­er Sprache ver­fasst wurde. Auf­grund von Zarril­lis Hin­ter­grund als The­ater­wis­senschaftler keine leichte Lek­türe oder ein ‘Prac­tice Man­u­al’, aber auf jeden Fall ein faszinieren­der Ein­stieg in die Materie. Der Titel umschreibt den Zus­tand des erleuchteten psy­choph­ysis­chen Kör­pers im Kalari.

»A la recon­tre grand maitres«* von Josette D. Nor­man­deau ist ein wun­der­schön­er Bild­band über ver­schiedene tra­di­tionelle Kampfkün­ste und enthält unter anderem eine Strecke über Kalar­i­pay­at­tu, die auch meinen Kalari-Lehrer C.M. Sherif Gurukkal, und das tra­di­tionelle Train­ing im alten Kalari zeigt.

»The Way of the War­rior«* von Howard Reid und Michael Crouch­er von 1984 ist ein weit­er­er Klas­sik­er, der ein ganzes Kapi­tel dem damals für den West­en noch kom­plett neuem Sys­tem »Kalar­ip­pay­at« wid­met. Dieses Buch bildete auch die Grund­lage für eine BBC Fernseh-Doku­men­ta­tion­srei­he, die lei­der online nur noch in Bruch­stück­en zu find­en ist.

»Shi­va Samhi­ta«* in der englis­chen Über­set­zung von James Mallinson.


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Mareike
Gast
Mareike
3 Jahre zuvor

Danke, Kai! Du hast die Magie des ganzen toll zu Papi­er gebracht. Ich hoffe es erre­icht viele Men­schen!

Michael
Gast
3 Jahre zuvor

Sehr gelun­gener Artikel! In reger Lebendigkeit habe ich noch vor Augen, wie Kai mir damals im Rah­men eines Kalari-Begin­ner-Kurs­es die Ele­fan­ten­stel­lung (Gaja Vadi­vu) näher­brachte und ich sofort die erdende und ener­getisierende Wirkung der Posi­tion nachvol­lziehen kon­nte. Ausser­dem mag ich ein­fach Ele­fan­ten! Seit dem baue ich diese Posi­tion ab und zu als Bon­bon in meine Yoga-Klassen ein und jedes­mal erin­nere ich mich schmun­zel­nd an diese erste Begeg­nung mit Kalari – in ein­er fin­steren Neben­straße der Ham­burg­er Reeper­bahn – dort befand sich das kleine, aber feine und sehr authen­tis­che Stu­dio, aus­ges­tat­tet mit einem medi­zinierten Lehm­bo­den! Ein echt­es High­light!

Jan
Gast
Jan
3 Jahre zuvor

Lieber Kai, liebe Kami­la,
ihr bei­de habt mich in den let­zten zwei Jahren auf meinem alchemistis­chen Prozess begleit­et, inspiri­ert, bestärkt & weit­er­en­twick­elt. Ich danke euch von Herzen für das, was ihr mir weit­ergeben habt. Ich halte es tief in mir und trage es mit Anmut. Das, was ihr nach außen gebt, trägt eine enorme Kraft in sich. Hier­durch schenkt ihr Men­schen das Poten­zial, nach­haltig ihre eigene Stärke und Magie wieder zu ent­deck­en.
Danke für eure Inspi­ra­tio­nen, danke für euren Mut, bleibt euch selb­st treu.
Bis bald, nur das Beste für euch und eure Fam­i­lie !!
Von Herzen
Euer Jan <3030

Jan Michael Schünemann
Gast
Jan Michael Schünemann
3 Jahre zuvor

Lieber Kai, liebe Kami­la, wir alle sind im Herzen miteinan­der ver­bun­den: erleben unsere Reflex­io­nen / Spiegelun­gen unseres Selb­st in dem Herzwe­sen vor uns.
Bis bald, her­zlichst,
Jan

Zamira
Gast
Zamira
3 Jahre zuvor

Ich habe vor zwei Jahren das Kalari bei Kai für mich ent­deckt und wusste nicht, auf welche spir­ituelle Reise ich mich begebe. Nor­maler­weise prak­tizier ich Yoga und bin dabei sehr in mich gekehrt. Kalari ist genau das Gegen­teil für mich gewe­sen. Etwas, das jed­er von uns braucht, um den Tag zu starten – gemein­sam den Tag starten. Ich habe eine chro­nis­che Schul­ter­verspan­nung, die sich durch nur 2x/Woche Prac­tic­ing gelöst hat. Auch meine Hal­tung und meine emo­tionalen Ups and Downs haben sich geeb­net. Ich bin wirk­lich sehr dankbar dafür, dass ich diese Com­mu­ni­ty ken­nen­gel­ernt habe. Lei­der habe ich seit einem Jahr, auf­grund ein­er Fußver­let­zung, nicht mehr die Möglichkeit, Kalari zu 100% zu prak­tizieren. Trotz­dem mache ich jeden Mor­gen meine Rou­tine, um eines Tages wieder mit der Gruppe da weit­erzu­machen, wo ich aufge­hört habe 🙂

Zamira
Gast
Zamira
3 Jahre zuvor

Genau, Lohas und sog­ar die weib­liche Begrüßungs­form. Bei der männlichen Form wecke ich die Nach­barn unter mir. Seit­dem lasse ich es lieber sein 😉

Denise
Gast
Denise
3 Jahre zuvor

Es ist für mich ein glück­lich­er Zufall gewe­sen als ich die Kalari-Prax­is ken­nen­gel­ernt habe, die ich nun nicht mehr mis­sen möchte! Ich habe bere­its sehr viel von Kai und Kami­la gel­ernt und bin sehr dankbar dafür auch weit­er­hin von bei­den ler­nen zu kön­nen. Die erste Kalari-Erfahrung hat etwas in mir geweckt und ich habe Glück, Pow­er und innere Zufrieden­heit zugle­ich ver­spürt. Die online-Klassen bieten etwas ganz anderes als die per­sön­lichen-Klassen: die Lohas, die Tier­stel­lun­gen, die Begrüßungs­for­men und die Meip­pay­at (wenn auch nur Auszüge davon) müssen inner­halb der Woh­nung irgend­wie Platz find­en, wodurch ein gewiss­er Anteil von Kreativ­ität gefragt ist – was nicht passt muss passend gemacht wer­den -

Ich freue mich schon auf die näch­ste online-Klasse und kann es kaum noch abwarten wieder per­sön­lich mit euch zu trainieren!