Die 3 wichtigsten Kalari Tierstellungen und warum sie Dir besser durch den Corona-Lockdown helfen als Yoga

von | 19. Jan 2021 | Kalari, Haltung, Yoga

Zugegeben, der Titel ist reißerisch. Aber da Du bis hierhin gekommen bist, scheint er gut gewählt, denn ich möchte Dir im Laufe dieses Beitrags die wichtigsten Kalari Tierstellungen als Teil eines wirklich holistischen Trainings näherbringen. Kalari (ausgesprochen: „Kálari“ mit einer Betonung des ersten Vokals) ist in vielen Aspekten das Gegenteil von Yoga, und doch ist es nicht nur eine gute Ergänzung zu Deiner Yoga-Praxis, sondern hat das Zeug dazu, diese noch kraftvoller und tiefer zu machen. Wie? Dazu komme ich im Laufe des Beitrags. Kalari Tierstellungen sind übrigens auch etwas für Dich, wenn Du keinerlei Vorerfahrung in Yoga, Kampfkunst oder anderen holistischen Bewegungsformen, hast. 

Checkliste: Die 3 wichtigsten Kalari Tierstellungen und ihre archetypischen Prinzipien auf einen Blick

1. Pferdestellung (Ashva Vadivu) – Vorwärtsrichtung, Intention, Länge

2. Elefantenstellung (Gaja Vadivu) – Erdung, Kraft, Standhaftigkeit

3. Katze (Marjara Vadivu) – Gleichmut, Geschmeidigkeit, Erhabenheit

Kalaripayattu, besser bekannt als Kalari, etabliert sich momentan zunehmend als kommende Praxis der Wahl für Führungskräfte, Coaches, Trainer, Sportler, Tänzer, Yogis und generell alle Menschen, die nach einer wirklich holistischen Praxis suchen, die sie bei der Meisterung ihrer Aufgaben in Alltag, Beruf und Familie unterstützt. Aber warum ist das so? Sind wir nicht mittlerweile mit unserer bewährten Achtsamkeitsausrüstung aus Yoga und eventuell sogar Meditation bestens für unseren Alltag und die aktuelle Corona-Krise gerüstet? Ja und nein. 

Die physische und psychische Herausforderung des Corona-Lockdowns

Wenn wir während der Zeit des Corona-Lockdowns nicht in Körperfett und schlechter Laune versinken möchten, es ist schon fast unsere Pflicht, uns weiterzuentwickeln, zu lesen, zu lernen, Neues auszuprobieren uuuuund uns zu bewegen. Dies sollte am besten auf holistische Art und Weise geschehen, also mittels einer Praxis, die neben dem physischen Körper auch unsere Psyche stärkt, in Balance hält und uns langfristig resilienter macht. 

Gerade, wenn wir bereits Yoga Erfahrung haben, bietet sich dafür natürlich die yogische Asana Praxis an. Eine große Stärke dieser holistischen Praxis ist schließlich, dass man sie während des Corona-Lockdowns gewissermaßen überall zu Hause praktizieren kann, ohne mehr Ausrüstung als die eigene Yogamatte zu benötigen. Nicht einmal besondere Kleidung brauchen wir, denn im Zweifel werden wir ohne Publikum auskommen müssen. Daher können wir sogar unsere heiß geliebten Yoga Hosen mit Einhorn Print im Schrank lassen. Schade eigentlich.

Kalahari? Kalarimero? Was ist denn Kalari eigentlich?

Kalari ist eine holistische und eng mit dem Yoga verwandte und trotzdem gleichzeitig davon sehr verschiedene Praxis. Als die ursprüngliche Kampf- und Heilkunst Südindiens hat sich Kalari vermutlich vor mehreren tausend Jahren am Schnittpunkt der indigenen dravidischen Kultur Südindiens mit der vedischen Kultur entwickelt. Die Entwicklung verlief dabei parallel zu der von Yoga und Ayurveda. Kalari hat die Entwicklung dieser Disziplinen ebenso beeinflusst, wie es von ihnen beeinflusst wurde. Nicht zuletzt deswegen wird Kalari auch manchmal als das Tantra Yoga der Kampfkünste bezeichnet.  

Populär ist im Zusammenhang mit der Geschichte des Kalaripayattu die Legende von Bodhidharma, dem späteren ersten Patriarchen des Zen-Buddhismus, der als Prinz aus dem Gebiet des heutigen Kerala in Südindien nach Norden aufbrach, um die Lehre des Buddhismus zu verbreiten. Ein aus der Sicht der Kampfkunst nicht unwichtiges Gepäckstück war dabei angeblich auch die unverfälschte Lehre des Kalaripayattu, die später unter anderem die Entwicklung des Shaolin Kung-Fu und anderer alter Kampfkünste maßgeblich mitgeprägt haben soll. 

Yoga als Antwort auf die Herausforderungen des aktuellen Corona-Lockdowns

Yoga ist häufig die Antwort, wenn es um ganzheitliche Körper-Geist-Gesundheit und Stressabbau geht. Aber wie wirkungsvoll und sinnvoll ist Yoga angesichts beruflicher Konfliktsituation oder des Alltags in der aktuellen Corona-Krise? Ist es wichtig, dass es sinnvoll ist? Wohl nicht, aber das hängt natürlich stark von der ganz persönlichen Definition von ‘Sinn’ ab und sprengt hier den Rahmen dieses Beitrags. 

Was bleibt, ist die Frage, wie wirkungsvoll Yoga in Bezug auf Stressaufbau und Steigerung der persönlichen Resilienz im Kontext von Alltag und Corona-Krise ist. Dies ist insbesondere unter dem Hintergrund angebracht, dass wir im Zusammenhang mit Stressabbau und Resilienz immer wieder auf Yoga als wirkungsvolles Mittel hingewiesen werden. Wenn es also gerechtfertigt sein soll, Yoga als Praxis der Wahl für diesen Zweck heranzuziehen und entsprechend zu vermarkten, dann müssen wir uns der Frage, ob Yoga dafür wirklich geeignet oder, genau gesagt, bestimmt ist.

Zweck und Ausrichtung der Yoga Praxis

Die Art von Resilienz, die wir in klassischen Hatha-Yoga-Stilen kultivieren, die dem achtgliedrigen Pfades nach Patanjali folgen (z.B. Ashtanga Vinyasa Yoga und seine Derivate, wie Vinyasa Yoga), basiert hauptsächlich auf dem Konzept von Vairāgya, was oft als Verhaftungslosigkeit, Wunschlosigkeit oder Leidenschaftslosigkeit übersetzt wird. Ich spreche in dem Zusammenhang gern von Gleichmut. Auch geht es im klassischen Hatha-Yoga um Pratyāhāra, das Zurückziehen der Sinne von ihren Objekten. Zuletzt sei das dem Yoga zugrunde liegende Dharma genannt, also grob gesagt die der Praxis zugrunde liegende ‘Pflicht’, die aber auch auf natürliche Art und Weise mit der Überlegung verzahnt ist, welchem Zweck die Praxis dient. 

Bezüglich der Ausgestaltung dieses Zweckes bin ich ein großer Fan einer Empfehlung, die man in Kapitel 5 (V.185) der Shiva Samhita findet und die darauf hinweist, dass man Yoga am besten im Geheimen, frei von der Gesellschaft anderer Menschen, an einem abgeschiedenen Ort praktiziert werden sollte. Hier geht es weder um Gemeinschaft im aktiven Sinne, noch geht es um irgendeine Form von äußerem Dialog, Austausch oder Dynamik. Es geht, ganz unmittelbar, um die persönliche Reise nach Innen ohne willkürliche Interaktion mit Außenwelt. 

Kalari als modernes Werkzeug für holistisches Training und Resilienz während des Corona-Lockdowns

Kalaripayattu wurde entgegen der gelegentlichen Bemühungen, es als rein hinduistische Kunst zu interpretieren, seit jeher von der gesamten Bevölkerung betrieben. Dabei wurde kein Unterschied auf Grundlage von Kaste, Religion oder Geschlecht gemacht. Alle Kinder zwischen 6 und 8 Jahren wurde zu Beginn der Monsun-Saison in die Praxis initiiert und praktizierten Kalari traditionell mindestens bis zum 18. Lebensjahr. Der Meister wird Gurukkal genannt, was im Südindischen der Plural von „Guru“ entspricht. Man huldigt im Kalari immer der Linie als Ganzem, nicht einer einzelnen Person. Es gab buddhistische, muslimische und sogar christliche Gurukkal, Männer und Frauen. Was für eine gesunde Botschaft für die heutige Zeit. 

Kalari ist vor allen Dingen eine Lebensschule, aber das darunter liegende Dharma ist das eines Heilers und eines Kriegers. Diejenigen, die diesen Weg nach Vollendung des 18. Lebensjahres weitergingen, übernahmen in ihren Gemeinschaften ebendiese Aufgaben. Sowohl für einen Krieger als auch für einen Heiler ist die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Außenwelt unabdingbar. Das gilt auch für ihre Fähigkeit, auf eine Situation spontan, angemessen und klar zu reagieren – und zwar auch unter Stress. Daher ist es auch wichtig, seine Sinneswahrnehmung in der äußeren Welt maximal zu entwickeln und nicht, wie im Pratyāhāra, nach innen zu wenden. 

Im Kalari Training lerne ich, meine Sinne maximal auszudehnen, alles wahrzunehmen und trotzdem bei mir zu bleiben. Ich lerne, auch unter Stress angemessen zu reagieren und weiterhin selbstbestimmt eine statische oder dynamische Haltung einzunehmen oder zu verändern. Ich lerne, mir in der Interaktion mit anderen Raum zu nehmen aber auch zu geben. Ich finde die Ruhe in der vollkommenen Dynamik. Das sind einige der Aspekte, die Kalari für mich zum perfekten Begleiter für Alltag, Familie und Beruf in der aktuellen Corona-Krise machen. Dies sind auch die Gründe dafür, dass das Kalari Training so zeitlos effektiv für Menschen ist, die unter Stress angemessen reagieren, ja vielleicht sogar führen und Entscheidungen treffen müssen. 

Ist Yoga jetzt eigentlich doof, oder was soll das heißen?

Ganz und gar nicht. Aber oben wurde hoffentlich deutlich, warum man Yoga und Kalari manchmal als zwei Seiten derselben Medaille bezeichnet: Sie sind in Bezug auf Zweck und Prinzipien der Praxis fundamental verschieden und doch im Kontext von Kultur und Energiesystem untrennbar miteinander verbunden. Dort, wo Yoga nach innen geht, geht Kalari nach außen. Dort, wo Yoga am Platz arbeitet, arbeitet Kalari im Raum. Dort, wo wir im Yoga in Einheit mit uns selbst und vielleicht ja sogar dem großen Ganzen sind, treten wir im Kalari in bewusste und selbstbestimmte Interaktion mit der Welt der Dinge und Formen, die uns umgibt.

Meine persönliche Reise, die mich zu Yoga und schließlich vor über 15 Jahren zu Kalaripayattu führte, fing im Alter von 6 Jahren mit Judo an. Über Taekwon-Do, Ju-Jutsu und chinesisches Boxen fand ich zum Yoga, bis ich dann schließlich aufgrund einer Verletzung, die ich mir mit zu viel Ehrgeiz beim Ashtanga Vinyasa Yoga zugezogen hatte, Kalaripayattu fand. Für mich war das wie ein Nachhausekommen, und obwohl ich gelegentlich mal pausiert habe, zieht es mich immer zurück ins Kalari. 

Die Wiederentdeckung meiner eigenen Yoga-Praxis

Meiner Yoga-Praxis hat das keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil. Meine Kalaripayattu Praxis hat sie eher dahin gerückt, wo sie meiner Meinung nach hingehört. Und zwar sowohl in Bezug auf den ‘Zweck’, den ich damit verfolge, als auch die Uhrzeit, zu der ich heutzutage Yoga praktiziere.

Ich übe Yoga mittlerweile hauptsächlich am Abend, wobei ich meine persönliche Asana Praxis als Vorbereitung für eine stille Meditation nutze. Meinen ‘sportlichen Kick’ hole ich mir innerhalb des holistischen Systems im Kalari, dass diesbezüglich extrem skalierbar ist. So vermeide ich auch, dass ich meine Yoga-Praxis von einer Form der Mystik zu hinduistischer Gymnastik degradiere. 

Yoga und Kalari sind beides großartige holistische Trainingskonzepte für Körper und Geist, von denen Du auf verschiedene Art und Weise während des Corona-Lockdowns profitieren kannst. Das gilt insbesondere dann, wenn sowohl Kalari als auch Yoga sich ihrer Bestimmung gemäß entfalten und Synergien bilden können.

Die 3 wichtigsten Kalari Tierstellungen und ihre archetypischen Prinzipien

Die hier veröffentlichten Übungshinweise sind als Inspiration zu verstehen und ersetzen in keiner Weise das Kalari-Üben mit einem qualifizierten Lehrer. Es geht um die schriftliche Vermittlung von Übungsprinzipien, die man aber letztendlich erleben muss. Was ich damit meine? Stell Dir vor, Du hast noch nie Salz gegessen und jemand beschreibt Dir seinen Geschmack…als…salzig. Wenn Du Dich für einen Einstieg in das Kalari-Training interessierst, empfehle ich Dir unsere Kalari-Online-Klassen, die Dir einen perfekten Start in den Tag ermöglichen.

1. Pferdestellung (Ashva Vadivu)

Archetypische Prinzipien: Vorwärtsrichtung, Intention, Länge

  • Wir beginnen in Samana, das bedeutet, wir stehen aufrecht, die Füße sind geschlossen, und wir haben die gefalteten Hände an der Stirn. Unsere Unterarme und Ellenbogen berühren sich. 
  • Lasse nun die Hände langsam bis vor die Brust sinken und verweile hier für einen Moment. Die Augen bleiben offen, der Blick nach vorn. 
  • Mache mit dem linken Bein einen Schritt nach vorn und strecke gleichzeitig mit dem Schritt Deine Hände aus dem Zentrum heraus nach vorn. Achte darauf, nicht Deine Zentrierung zu verlieren und mit Händen und Schritt gleichzeitig vorn in der Streckung anzukommen.
  • Der vordere Fuß zeigt nach vorn, die Hüfte ist eingedreht. Auch Dein Bauchnabel zeigt nach vorn. Die vordere Ferse steht auf einer Linie mit der hinten Ferse. 
Kai Hitzer von Human Posture in Ashva Vadivu, der Kalari Pferdestellung
Ashva Vadivu, die Pferdestellung des Kalari (Foto: Kai Hitzer aufgenommen von Dallas Graham)
  • Aktiviere die Oberschenkelmuskulatur des hinteren gestreckten Beines und versuche so gut wie möglich die Fußaußenkante des hinteren Fußes in Richtung Boden zu bringen. (PS: Falls das nicht funktioniert, dann denke an die Szene aus Kill Bill, in der Uma Thurman langsam versucht mit der Kraft ihres Bewusstseins den kleinen Zeh zu bewegen – und siehe da!)
  • Schultern weg von den Ohren, das Gesicht ist weich, die Augen sind offen. Extension. Als ob Du zwischen Mittelfinger und der Fußaußenkante des hinteren Fußes auseinandergezogen wirst. 
  • Bleibe hier mit offenen Augen für mindestens 6 volle Atemzüge. Atme normal weiter während der Übung. Kein Ujjayi, keine Bandhas (yogische Atemtechniken und ‘Verschlüsse’ aus der Ashtanga Vinyasa Yoga Tradition)
  • Ziehe nun den vorderen Fuß zurück in die Ausgangsstellung (Samana). Bleibe dabei in der Ausrichtung, lasse den hinteren Fuß stehen, und drehe Dich nicht seitlich weg. (Anfänger: Nutze dafür, wenn nötig, mehrere Schritte, sodass Du die Ausrichtung und die Erdung im hinteren Fuß beibehalten kannst. Fortgeschrittene: Zentriere Dich und gehe mit einem Schritt zurück.)
  • Wiederhole die Übung auf der rechten Seite.

2. Elefantenstellung (Gaja Vadivu)

Archetypische Prinzipien: Erdung, Kraft, Standhaftigkeit

  • Beginne in Samana mit den Armen an der Seite, die Finger zeigen nach unten
  • Bringe nun das Gewicht auf die Fersen, und öffne die Füße so weit wie möglich. (Fortgeschrittene: Schaffst Du es, die Füße so weit zu öffnen, dass sie Ferse an Ferse eine Linie ergeben?)
  • Bringe nun das Gewicht auf die Zehen, und öffne die Fersen, bis Deine Füße parallel (!) zueinander stehen. Korrigiere den Abstand gegebenenfalls, sodass Deine Schulteraußenseiten zwischen Deine Fußinnenseiten passen.
  • Öffne die Handflächen nach außen (‘supinieren’), und bringe sie über dem Kopf mit einem Klatschen zusammen.
  • Ziehe nun die verbundenen Hände in Richtung Deiner Stirn, und verbinde dabei die Knöchel Deiner Hände. Lege den Oberkörper dabei leicht zurück. 
  • Sobald Du an Deiner Stirn angekommen bist, berühre den Platz zwischen Deinen Augenbrauen mit den Spitzen Deiner Daumen, und beginne entlang der zentralen Linie nach unten zu fahren. 
  • Behalte dabei die leichte Rückbeuge bei, folge aber mit Deinem Kopf und Deinem Blick den Daumenspitzen, sodass sich nur der Oberkörper nach vorne neigt. Du siehst nun von der Seite aus wie ein „S“.
Kai Hitzer bei Korrekturen von Gaja Vadivu, der Elefantenstellung des Kalari.
Gaja Vadivu, die Elefantenstellung des Kalari (Foto: Kai Hitzer aufgenommen von Cecilia Cristolovean)
  • Sobald Du mit den Daumenspitzen kurz oberhalb des Bauchnabels angekommen bist, löst Du die Daumenspitzen, kippst die Hände mit den verbundenen Fingerknöcheln nach vorn und tauchst mit dem Kopf voran den Händen hinterher nach unten.
  • Tauche mit dem Oberkörper wieder nach oben, sodass die Beine gebeugt bleiben, und sich der Oberkörper wieder etwas aufrichtet. Platziere die Daumenspitzen zwischen den Augenbrauen. Fingerknöchel und Unterarme sind geschlossen. 
  • Lasse die Füße parallel, und öffne nun die Oberschenkel so weit, dass sich die Knie senkrecht über den Fußgelenken befinden. 
  • Versuche, nun nur den oberen Rücken noch ein Stück anzuheben, obwohl der Oberkörper nach vorn geneigt bleibt. 
  • Augen offen, Schultern weg von den Ohren, Unterarme geschlossen halten, Füße parallel. 
  • Verharre hier für mindestens sechs Atemzüge und komme anschließend nach oben, wobei Du die Arme während des Hochkommens über dem Kopf zusammenbringen und anschließend an die Seite legen kannst. 
  • Wiederhole die Übung dreimal.

„Kalari bedeutet für mich Anmut, Kraft und Erdung in der authentischen Balance von weiblicher und männlicher Energie. Als Mutter von 5 Kindern sind die Gelassenheit und innere Ausgeglichenheit, die ich daraus schöpfe, eine fruchtbare Basis für mich.

In den Tierstellungen liegen Harmonie und Offenheit verborgen. Atemzüge, die den Schwerpunkt meiner Aufmerksamkeit Richtung Becken sinken lassen. Ankommen, verweilen. Erdung.

In Klarheit und Körperbewusstsein lebt es sich friedlicher.

PS: Meine Lieblings-Tierstellung ist die Katze.“

Kamila Ewa

Holistisches Mentoring und Körperarbeit, kamilaewa

3. Katze (Marjara Vadivu)

Archtypische Prinzipien: Gleichmut, Geschmeidigkeit, Erhabenheit

  • Hocke Dich aus dem normalen parallelen Stand nach unten, wobei Du links mit dem ganzen Fuß auf dem Boden stehst, während das rechte Bein komplett angelegt ist und Du auf der rechten Ferse sitzt (Fortgeschrittene: In der Tradition ist überliefert, dass Du sogar versuchen kannst, mit Deinem Perineum auf der rechten Ferse zu sitzen).
  • Der linke Arm ist kurz über dem Ellenbogen auf dem linken Knie abgelegt, der rechte Handrücken ruht auf dem Oberschenkel direkt über dem rechten Knie.
  • Der Schwerpunkt ist tief, die Augen bleiben offen, Gesicht weich, die Atmung normal, der Bauch weich.
Marjara Vadivu, die Katzenstellung des Kalari (Foto: Kai Hitzer aufgenommen von Cecilia Cristolovean)
  • Versuche Dein Gewicht in der Katze so zu verteilen, dass Du nicht nur auf der rechten Ferse sitzt, sondern leite Dein Gewicht über die gesamte Struktur der Haltung ab. 
  • Der Blick ist leicht gesenkt, schaue auf einem Punkt am Endes des Raumes, dort wo der Boden die Wand des Raumes trifft. Schauen auf diesen Punkt, aber lasse Dein Gesichtsfeld weit. Dehne Deine Sinne in die Außenwelt aus, aber bleibe gleichzeitig geerdet und ganz bei Dir. 
  • Bleibe hier so lange, wie es sich gut anfühlt, da Du Dich erst an diesen neuen Sitz gewöhnen musst. 
  • Wenn Du so weit bist, komme aus der Stellung langsam nach oben (Fortgeschrittene: Komme möglichst gerade und direkt nach oben und unten)

Deine Ressourcen-Liste für Kalari

Kalari-Online-Klassen von Human Posture finden jeden Dienstag und Donenrstag von 06.00 bis 06.45 Uhr auf ZOOM statt.

Kalari.org ist die Autorität im deutschsprachigen Raum, wenn es um Kalari geht und bietet detaillierte Informationen rund um Kalaripayattu sowie vertiefende Kurse, z.B. das jährlich im Sommer stattfindende Kalari-Practitioner-Training. Die Seite wird zurzeit überarbeitet.

Kalari Digest von Kalari.org ist eine YouTube-Playliste, auf der Du authentisches Kalaripayattu aus den 1950er-Jahren bis heute findest.

Haltungsschmiede.de Coaching, Training und Prozessbegleitung mit einem starken Fokus auf (Kalari-) Trainingsformate für Führungskräfte.

When the Body becomes All Eyes„* von Phillip Zarrilli, der leider im März dieses Jahres verstorben ist, war das erste Buch, das aus der Sicht eines ‚Westlers‘ über Kalaripayattu in englischer Sprache verfasst wurde. Aufgrund von Zarrillis Hintergrund als Theaterwissenschaftler keine leichte Lektüre oder ein ‚Practice Manual‘, aber auf jeden Fall ein faszinierender Einstieg in die Materie. Der Titel umschreibt den Zustand des erleuchteten psychophysischen Körpers im Kalari.

A la recontre grand maitres„* von Josette D. Normandeau ist ein wunderschöner Bildband über verschiedene traditionelle Kampfkünste und enthält unter anderem eine Strecke über Kalaripayattu, die auch meinen Kalari-Lehrer C.M. Sherif Gurukkal, und das traditionelle Training im alten Kalari zeigt.

The Way of the Warrior„* von Howard Reid und Michael Croucher von 1984 ist ein weiterer Klassiker, der ein ganzes Kapitel dem damals für den Westen noch komplett neuem System „Kalarippayat“ widmet. Dieses Buch bildete auch die Grundlage für eine BBC Fernseh-Dokumentationsreihe, die leider online nur noch in Bruchstücken zu finden ist.

Shiva Samhita„* in der englischen Übersetzung von James Mallinson.


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11 Comments
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Mareike
Gast
Mareike
6 Monate zuvor

Danke, Kai! Du hast die Magie des ganzen toll zu Papier gebracht. Ich hoffe es erreicht viele Menschen!

Michael
Gast
6 Monate zuvor

Sehr gelungener Artikel! In reger Lebendigkeit habe ich noch vor Augen, wie Kai mir damals im Rahmen eines Kalari-Beginner-Kurses die Elefantenstellung (Gaja Vadivu) näherbrachte und ich sofort die erdende und energetisierende Wirkung der Position nachvollziehen konnte. Ausserdem mag ich einfach Elefanten! Seit dem baue ich diese Position ab und zu als Bonbon in meine Yoga-Klassen ein und jedesmal erinnere ich mich schmunzelnd an diese erste Begegnung mit Kalari – in einer finsteren Nebenstraße der Hamburger Reeperbahn – dort befand sich das kleine, aber feine und sehr authentische Studio, ausgestattet mit einem medizinierten Lehmboden! Ein echtes Highlight!

Jan
Gast
Jan
6 Monate zuvor

Lieber Kai, liebe Kamila,
ihr beide habt mich in den letzten zwei Jahren auf meinem alchemistischen Prozess begleitet, inspiriert, bestärkt & weiterentwickelt. Ich danke euch von Herzen für das, was ihr mir weitergeben habt. Ich halte es tief in mir und trage es mit Anmut. Das, was ihr nach außen gebt, trägt eine enorme Kraft in sich. Hierdurch schenkt ihr Menschen das Potenzial, nachhaltig ihre eigene Stärke und Magie wieder zu entdecken.
Danke für eure Inspirationen, danke für euren Mut, bleibt euch selbst treu.
Bis bald, nur das Beste für euch und eure Familie !!
Von Herzen
Euer Jan <3030

Zamira
Gast
Zamira
6 Monate zuvor

Ich habe vor zwei Jahren das Kalari bei Kai für mich entdeckt und wusste nicht, auf welche spirituelle Reise ich mich begebe. Normalerweise praktizier ich Yoga und bin dabei sehr in mich gekehrt. Kalari ist genau das Gegenteil für mich gewesen. Etwas, das jeder von uns braucht, um den Tag zu starten – gemeinsam den Tag starten. Ich habe eine chronische Schulterverspannung, die sich durch nur 2x/Woche Practicing gelöst hat. Auch meine Haltung und meine emotionalen Ups and Downs haben sich geebnet. Ich bin wirklich sehr dankbar dafür, dass ich diese Community kennengelernt habe. Leider habe ich seit einem Jahr, aufgrund einer Fußverletzung, nicht mehr die Möglichkeit, Kalari zu 100% zu praktizieren. Trotzdem mache ich jeden Morgen meine Routine, um eines Tages wieder mit der Gruppe da weiterzumachen, wo ich aufgehört habe 🙂

Zamira
Gast
Zamira
6 Monate zuvor

Genau, Lohas und sogar die weibliche Begrüßungsform. Bei der männlichen Form wecke ich die Nachbarn unter mir. Seitdem lasse ich es lieber sein 😉

Denise
Gast
Denise
5 Monate zuvor

Es ist für mich ein glücklicher Zufall gewesen als ich die Kalari-Praxis kennengelernt habe, die ich nun nicht mehr missen möchte! Ich habe bereits sehr viel von Kai und Kamila gelernt und bin sehr dankbar dafür auch weiterhin von beiden lernen zu können. Die erste Kalari-Erfahrung hat etwas in mir geweckt und ich habe Glück, Power und innere Zufriedenheit zugleich verspürt. Die online-Klassen bieten etwas ganz anderes als die persönlichen-Klassen: die Lohas, die Tierstellungen, die Begrüßungsformen und die Meippayat (wenn auch nur Auszüge davon) müssen innerhalb der Wohnung irgendwie Platz finden, wodurch ein gewisser Anteil von Kreativität gefragt ist – was nicht passt muss passend gemacht werden –

Ich freue mich schon auf die nächste online-Klasse und kann es kaum noch abwarten wieder persönlich mit euch zu trainieren!

Kai ist der Gründer von Human Posture und arbeitet als Coach, Trainer und Prozessbegleiter mit den Schwerpunkten Resilienz, Haltung und Medienkompetenz in Hamburg. Zusätzlich gibt er seit über 14 Jahren Kalaripayattu, kurz Kalari, in Klassen, Trainings und Workshops für Privatpersonen und Führungskräfte weiter. Human Posture ist für ihn die lebendige Synthese seines bisherigen Lebenswegs als ehemaliger Marketing- und PR-Director in Festanstellung einerseits, und freiberuflichem Kalari-Lehrer, Webdesigner, Zen-Practitioner und fünffachem Vater auf der anderen Seite.