Faszien Heilkunst Kalari Chikitsa im Qualitätscheck

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Kalari Mar­ma Chik­it­sa wird immer mehr zum Trendthe­ma, was vor allen Din­gen auf das steigende Inter­esse für das The­ma Faszien, vor ins­beson­dere Faszien Train­ing und Faszien Ther­a­pie, zurück­zuführen ist. Mit diesem Beitrag über die wahrschein­lich älteste und ursprünglich­ste Form der ganzheitlichen Faszien Ther­a­pie möchte ich Dich dabei unter­stützen, im wach­senden Dschun­gel der Ange­bote das Richtige für Dich zu find­en. 

Was ist Kalari Marma Chikitsa

Kalari Mar­ma Chik­it­sa ist die aus der Südindis­chen Kampfkun­st Kalar­i­pay­at­tu, auch bekan­nt als Kalar­ip­pay­at oder kurz Kalari, ent­standene Form der ganzheitlichen Faszien Ther­a­pie. Sie gilt als die älteste und ursprünglich­ste Form der Faszien Ther­a­pie und soll die Entste­hung später­er Faszien basiert­er Ther­a­piean­sätze, wie Chi­ro­prak­tik und Osteopathie, maßge­blich mit bee­in­flusst haben.


Kalari Marma Chikitsa. Nichts anderes.

Fan­gen wir mit dem Namen an, und dieser ist Pro­gramm. Eine authen­tis­che Kalari Mar­ma Chik­it­sa Behand­lung wird daher auch nur als Kalari Chik­it­sa oder Kalari Mar­ma Chik­it­sa bewor­ben. Hin­ter dem Begriff Kalari Mas­sage ver­birgt sich meis­tens die ein­fache Nadi-Mar­ma-Mas­sage der Kalari Tra­di­tion.

Kalari ist kein Teil von Ayurve­da oder Yoga. Begriffe wie »Kalari Ayurve­da Mas­sage«, »Ayurve­da Kalari Mas­sage« und »Kalari Yoga Mas­sage« sind lediglich Wortschöp­fun­gen, die dem Bere­ich des Mar­ket­ings und nicht der Tra­di­tion entsprin­gen. Sie sind eine rote Flagge, wenn es um die Authen­tiz­ität des Ange­botes geht. Hier wird ver­sucht, aus bere­its pop­ulären Begrif­f­en wie Yoga und Ayurve­da, die ja auch tat­säch­lich uralte Schnittstellen zur Prax­is des Kalari haben, in der Eigen­ver­mark­tung Kap­i­tal zu schla­gen. Dies ist eine per­fide und lei­der auch in Indi­en selb­st an der Tage­sor­d­nung ste­hen­den Form von kul­tureller Aneig­nung, die nicht dadurch legit­imiert wird, dass sie von Men­schen prak­tiziert wird, die in ihrer eige­nen Arbeit die Prinzip­i­en von Acht­samkeit und Fried­fer­tigkeit propagieren.

Auf dem Boden geblieben

Die Behand­lung find­et seit jeher auf dem Boden statt und hat diesen auch nie ver­lassen. Eine kleine Anek­dote aus dem Ayurve­da, die in dem Zusam­men­hang inter­es­sant sein dürfte: Auch die mas­siv-hölz­er­nen tra­di­tionellen Mas­sage Tis­che standen, genauer gesagt lagen im Mut­ter­land des Ayurve­da, Ker­ala, ursprünglich auf dem Boden. Erst mit Zeit beka­men diese Tis­che Beine, was haupt­säch­lich den Kom­fort von Patient und Behan­dler erhöhen sollte. Kalari Chik­it­sa hat die Boden­haf­tung allerd­ings nie ver­loren. Es geht nicht darum, dem Ther­a­peuten die Arbeit zu erle­ichtern oder die Behand­lung angenehmer zu machen. Ins­beson­dere dann nicht, wenn die Qual­ität und Wirkung der Behand­lung darunter lei­den würde. Für Kalari Mar­ma Chik­it­sa sind Hal­tung, Aus­rich­tung, Bewe­gungslin­ie und Ste­hver­mö­gen des Therapeuten:in von essen­zieller Bedeu­tung. Was uns zum näch­sten Punkt bringt…

Der Therapeut:in praktiziert Kalari

Kör­per­liche und geistige Gesund­heit sind daher eine Voraus­set­zung dafür, die Behand­lung in authen­tis­che Art und Weise geben zu kön­nen. Im Klar­text bedeutet das: Der Therapeut:in muss Kalar­i­pay­at­tu tat­säch­lich prak­tizieren. Konkret heißt das, dass der Therapeut:in über eine regelmäßige eigene Kalari Prax­is ver­fügt, die die rel­e­van­ten Stel­lun­gen und Bewe­gungslin­ien der Tra­di­tion bein­hal­tet, wie z.B. Ele­fan­ten­stel­lung (Gaja Vadi­vu) und Pfer­destel­lung (Ash­va Vadi­vu), da man son­st kein psy­choph­ysis­ches Fun­da­ment für die Prax­is hat.

Mal prak­tiziert zu haben, oder die Tra­di­tion dadurch zu ehren oder zu inte­gri­eren, dass man etwas darüber zu wis­sen meint, reicht nicht. Dazu sollte im Ide­al­fall noch eine spir­ituelle oder geistige Arbeit kom­men, die nicht vol­lkom­men von der psy­choph­ysis­chen Prax­is des Kalar­i­pay­at­tu erset­zt wer­den kann, wie zum Beispiel die Prax­is des Zazen. 

In Stille

Kalari Mar­ma Chik­it­sa ist uralte und ursprüngliche Faszien Ther­a­pie und keine Unter­hal­tung. Daher find­et die Behand­lung auch nicht bei Musik, son­dern in absoluter Stille statt. Das Ziel ist nicht »Tiefe­nentspan­nung«, und die Behand­lung muss auch nicht »angenehm« sein, sog­ar eine Erstver­schlim­merung ist bei älteren Trau­ma­ta nicht ungewöhn­lich. 

Auch Gespräche beschränken sich in der Regel auf klare Instruk­tio­nen des Therapeut:in in Bezug auf die vom Patient:in als Näch­stes einzunehmende Hal­tung. Dabei bleibt der Patient:in wach und die Augen nach Möglichkeit offen. Wir ver­suchen, bewusst und im Kör­p­er Teil des Prozess­es zu bleiben. 

Wir arbeit­en in Stille – keine Musik, keine Ani­ma­tion, son­dern eine heilende Kon­fronta­tion mit Kör­p­er und Geist!


Leerer Raum

Ein authen­tis­ches Kalari Mar­ma Chik­it­sa Treat­ment find­et tra­di­tionell im Kalari selb­st statt. Diese Orte waren zur Hochzeit des Kalaris, die stark geprägt war von den Vor­läufern des Zen-Bud­dhis­mus, stark geprägt vom Konzept des leeren Raums. Die Behand­lung ist frei von religiösen und eso­ter­ischen Ein­flüssen und Inter­pre­ta­tio­nen. Kalari Mar­ma Chik­it­sa ist kein Raum für Mit­teilung und Infor­ma­tio­nen, die nichts mit der Behand­lung des Nadi-Mar­ma-Sys­tem des Patient:in zu tun haben.

Faszien nähren und hydrieren

Die Qual­ität der Öle ist in der Faszien Behand­lung durch Kalari Mar­ma Chik­it­sa eben­so wichtig, wie die innere und äußere Hal­tung des Ther­a­peuten, denn unsere Haut ist das größte Sinnes- und Ver­dau­ung­sor­gan des Kör­pers und das Tor zu den Faszien. Um Faszien Gewebe zu hydri­eren, zu nähren und gegebe­nen­falls im Prozess der Auf­fal­tung zu unter­stützen, ist das regelmäßige Auf­tra­gen und Ein­wirken lassen von Öl erforder­lich. 

Bei der Faszien Ther­a­pie Kalari Mar­ma Chik­it­sa kom­men zu diesem Zweck nur tra­di­tionelle und Öle aus der Kalari und Ayurve­da Tra­di­tion zum Ein­satz. Während einige der häu­fig zur Ver­wen­dung kom­menden Öle, wie Dhan­vataram, alte Bekan­nte aus dem Ayurve­da sind, kom­men beim Kalari zusät­zlich dazu pro­pri­etäre Rezep­turen zum Ein­satz, die ursprünglich aus der Kalari Tra­di­tion stam­men. Das bekan­nteste Beispiel ist wahrschein­lich das soge­nan­nte »Grüne Öl«, Muriven­na. 

Diese Öle wer­den bei authen­tis­chen Kalari Mar­ma Chik­it­sa Kuren niemals mit herkömm­lichem Öl gestreckt, so wie es lei­der bei vie­len ayurvedis­chen Behand­lun­gen mit­tler­weile häu­fig vorkommt. Dabei wer­den die medi­zinierten Öle in der Regel mit herkömm­lichem Sesamöl verdün­nt, um Kosten zu sparen und den Gewinn zu max­imieren. Wichtig zu unter­schei­den davon ist allerd­ings das Mis­chen von medi­zinierten Ölen, das ein indika­tion­s­ab­hängiger Teil der authen­tis­chen Kalari Mar­ma Chik­it­sa Prax­is sein kann.

Kräftig und fein

Sowohl kräftige Tiefengeweb­s­mas­sage als auch fein­ste Arbeit am Nadi-Mar­ma-Sys­tem und den Faszien kom­men zum Ein­satz. Dieses Spek­trum ist typ­isch für die authen­tis­che Form der Faszien-Heilkun­st Kalari Mar­ma Chik­it­sa. Sie ist wed­er »brachial« noch »fein­stof­flich« son­dern ganzheitlich – auch in dem Spek­trum der Tech­niken, die zum Ein­satz kom­men. 

Fundierte Ausbildung

Die Ther­a­pie Fort­bil­dung fol­gt in der Regel ein­er jahre­lan­gen kör­per­lichen Kalar­iprax­is und find­et danach über Jahre weit­er im Schüler-Lehrer-Ver­hält­nis statt. Die so entste­hen­den Beziehung und der Prozess des Ler­nens hat kein definiertes Ende.  Fundierte Woch­enend­kurse gibt es nicht, und das wird sich auch in Zukun­ft nicht ändern, wenn Kalari Mar­ma Chik­it­sa bekan­nter und zugänglich­er für west­liche Unter­rich­stkonzepte wer­den sollte. Die Behand­lung der Faszien ist dafür zu kom­plex und erfordert zu viel gelebtes Wis­sen und vor allen Din­gen Erfahrung. 

Eine Kalari Mar­ma Chik­it­sa Faszien-Behand­lung zu erleben, ist oft­mals bere­its eine lebensverän­dernde Erfahrung. Und doch denkt die Kalari Mar­ma Chik­it­sa Tra­di­tion der Faszien Ther­a­pie nicht in einzel­nen Behand­lun­gen, son­dern in Kuren. Dies ist nötig, da die Faszien über eine hohe Plas­tiz­ität ver­fü­gen. Sie nach Jahren der Unter­ernährung und Kon­trak­tion wieder zu hydri­eren und ent­fal­ten, benötigt Zeit. Daher wird eine jährliche Kur von 14 Tagen emp­fohlen, aber auch soge­nan­nte »Kurse«, wie die Kuren oft genan­nt wer­den, mit ein­er Dauer von 7 oder 3 Tagen kön­nen ange­boten wer­den und sind authen­tisch, auch wenn sie nicht so in die Tiefe gehen kön­nen. Der volle Nutzen ein­er jährlich wieder­holten Kur von vollen 14 Tagen ist die Möglichkeit der kom­plet­ten Löschung der zel­lulären Erin­nerung im Prozess der Auf­fal­tung der Faszien. 

Ausführliche Anamnese

Jed­er Kalari Mar­ma Chik­it­sa Behand­lung geht eine aus­führliche Anam­nese voraus, die sich auf das Auf­spüren poten­zieller Mar­ma Ver­let­zun­gen in der Lebens­geschichte des Patent:in fokussiert. Akute Ver­let­zun­gen kön­nen eine Rolle spie­len, doch das Glück, unmit­tel­bar in der Form eines soge­nan­nten »Revivals« den späteren Fol­gen ein­er akuten Mar­ma Ver­let­zung ent­ge­gen­zuwirken, hat der Therapeut:in lei­der nicht immer. 

Und so wird die Anam­nese in der Faszien-Ther­a­pie Kalari Mar­ma Chik­it­sa manch­mal zu ein­er Detek­ti­var­beit, und es ist nicht ungewöhn­lich, dass Patient:innen sich manch­mal erst im Zuge der Behand­lung plöt­zlich wieder an Unfälle oder Ver­let­zun­gen erin­nern, die bis in die Kind­heit zurück­liegen, aber trotz­dem ursäch­lich für aktuelle Symp­tome sein kön­nen. Diese gründliche Anam­nese muss stat­tfind­en, um den opti­malen Behand­lungser­folg zu gewährleis­ten. 

Ihren Preis wert

Eine authen­tis­che Kalari Mar­ma Chik­it­sa ist eine nach­haltige Investi­tion in unsere Faszien, Gesund­heit und Leben­squal­ität. Der Aufwand, den der Therapeut:in dafür leis­ten muss, ist enorm, aber nicht zu ver­mei­den, wenn man Qual­ität und die Wirkung auf die Faszien langfristig nicht kom­pro­mit­tieren möchte. Das hat immer auch Auswirkun­gen auf den Preis, und hier wird sich eine authen­tis­che Kalari Mar­ma Chik­it­sa immer am oberen Ende dessen bewe­gen, was in der jew­eili­gen Lan­deskul­tur für ther­a­peutis­che Leis­tun­gen im Bere­ich der Faszien Ther­a­pie berech­net wird. Neben den Investi­tio­nen, die der Therapeut:in durch seine regelmäßi­gen Reisen und Fort­bil­dun­gen über Jahre getätigt hat, sowie die laufend­en Kosten für Prax­is­mi­ete, Energie, Wäsche- und Raumpflege, geht es hier um die Kosten für die medi­zinierten Kalari und Ayurve­da Öle, die zum Ein­satz kom­men müssen. Ein »gün­stiger Preis« ist daher lei­der bere­its ein Warnsignal für diese hochef­fek­tive Arbeit mit den Faszien, da dies für Kalari Mar­ma Chik­it­sa Therapeut:innen nicht nach­haltig und ehrlich darstell­bar ist, ohne selb­st draufzuzahlen.

Macht man sich die Bedeu­tung der faszialen Gesund­heit und das Poten­zial von Kalari Mar­ma Chik­it­sa in diesem Zusam­men­hang klar, bleibt nur zu sagen: Diese Investi­tion lohnt sich.


Kalari Marma Chikitsa Ressourcenliste

Adakkam auf Insta­gram @a_d_a_k_k_a_m

Zazen, Kalari Mar­ma Chik­it­sa und Kalari Train­ing https://adakkam.org

»Wurzeln und Prinzip­i­en des Kalari Mar­ma Chik­it­sa« im Ayurve­da Jour­nal https://www.ayurveda-journal.de/wurzeln-und-prinzipien-des-kalari-marma-chikitsa/

Kalari Klassen und Work­shops https://human-posture.org/kalari-training/

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Katrin
Gast
Katrin
8 Monate zuvor

Super Artikel! 🔥

Kai Peter Hitzer
Admin
7 Monate zuvor
Reply to  Katrin

Danke Katrin! Wir haben uns sehr darüber gefreut, Kami­la als Gast-Autorin gewin­nen zu kön­nen. Für die Zukun­ft sind noch weit­ere Beiträge geplant.